Premium Kunstauktionshaus Schloss Ahlden
1536
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Carl Blechen (1798 Cottbus - 1840 Berlin)
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Carl Blechen (1798 Cottbus - 1840 Berlin)
Estimate €160,000 - €320,000
Voluntary lot
Description
Carl Blechen (1798 Cottbus - 1840 Berlin)
Italienische Landschaft
Blechen, neben seinem Zeitgenossen Caspar David Friedrich, bedeutendster deutscher Landschaftsmaler in der 1. Hälfte des 19. Jh., malte die vorliegende italienische Landschaft 1827 in der Zeit eines persönlichen und künstlerischen Wendepunktes. Blechen hatte zuvor 1822-1824 an der Akademie in Berlin studiert, seit 1823 in der Landschaftsklasse von Peter Ludwig Lütke. Im Sommer 1823 reiste er in die Sächsische Schweiz, nach Meißen und Dresden, lernte Johan Christian Clausen Dahl und vermutlich auch Caspar David Friedrich kennen. 1824 erhielt Blechen auf Vermittlung Karl Friedrich Schinkels eine Anstellung als "Dekorationsmaler" des neuen Königstädtischen Theaters am Alexanderplatz in Berlin, im selben Jahr debütierte er mit einer Landschaft in der Ausstellung der Berliner Akademie. Bis 1827 wirkte Blechen am Theater, das ihm jedoch wegen eines Streits mit der Opern-Diva Henriette Sonntag im September d. J. kündigte. Danach arbeitete Blechen als freischaffender Maler in Berlin, wo er 1828 erste große Erfolge auf der Akademie-Ausstellung erzielte, möglicherweise auch mit vorliegendem Gemälde. Noch bevor sich Blechen von September 1828 bis November 1829 auf eine ausgedehnte, ihn prägende Italien-Reise begab, gibt er in diesem Gemälde eine träumerische, imaginierte Vision vom Sehnsuchtsland Italien wieder. Es spiegelt somit auch Blechens herausragendes Talent wider, sich in andere Welten und Landschaften hineinzuversetzen, wie er es auch als versierter Dekorationsmaler für das Theater umsetzte. Blechen schildert hier eine bergige, italienische Landschaft mit einem Tal, durch das vertikal ein schmaler Bach in Kaskaden und kleinen Fällen fließt, über allem thront auf einem Berg eine Burg oder ein Kloster. Blechen hat die Landschaft in leichtem Hochformat bühnenartig mit hintereinander gestaffelten Raumebenen komponiert, entscheidend ist der Weg mit alter, einbogiger Steinbrücke, der quer zur Blickrichtung das Bild durchschneidet. Genau in der Mitte der Brücke durchschreitet eine junge Bäuerin als Wasserträgerin mit Krug auf dem Kopf die stille Einsamkeit der Landschaft. Überfangen wird die Figur durch zwei sich zu einem Spitzbogen neigende, schlanke Bäume. Abgesehen vom Himmel, ist das Sonnenlicht auf dem Weg die hellste und wärmste Partie des Bildes. Blechen zeigt sich in dem Gemälde bereits als Maler des Lichts, es ist ein entscheidender, künstlerischer Entwicklungsschritt bis hin zu dem vier Jahre später entstandenen, berühmten Gemälde "Schlucht bei Amalfi" von 1831, heute in der Nationalgalerie in Berlin (Inv.-Nr. A I 319/7). Mit seinem temperamentvollen Duktus sowie rhythmischem, leicht pastosen Farbauftrag wirkt das Gemälde, obgleich im Atelier entstanden, als unmittelbarer Vorläufer der späteren Freilichtbilder Blechens. Nach seiner Italien-Reise wird die Wirkung des hellen Sonnenlichts zum bestimmenden Element seiner Landschaften, bei denen er Naturstimmungen mit grandiosen Licht- und Farbeffekten schilderte. Mit ihnen nahm er die Pleinair-Malerei der Schule von Barbizon und den Impressionismus vorweg. Beeindruckt von Blechen fand Max Liebermann, es sei ihm damit "das Einfachste und daher Schwerste" gelungen. 1831 wurde Blechen auf Empfehlung Schinkels - "seiner sehr genialen Art der Naturauffassung wegen" - zum Professor für Landschaftsmalerei an die Berliner Akademie berufen. 1835 ernannte man ihn zum ordentlichen Mitglied. Seit 1835/36 verstärkte sich eine psychische Erkrankung Blechens, bis er 1840 in geistiger Umnachtung starb. Seine tragisch endende Biographie, seine kurze Schaffenszeit von nur circa 15 Jahren und dadurch kleines Oeuvre ließen ihn später zum romantisierend gefeierten, verkannten Künstlergenie werden, Öl/Lwd., doubl.; L. u. sign. u. dat. "C. Blechen 1827". 39,3 cm x 31,5 cm. Rahmen.
Lit.: Guido Josef Kern: "Karl Blechen. Sein Leben und seine Werke", Verlag Bruno Cassirer, Berlin 1911, Wvz. S. 166 ("Oberitalienische Phantasielandschaft", ohne Abb., Besitz "Maler A. Brendel"); Paul Ortwin Rave "Karl Blechen. Leben. Würdigung. Werk", Berlin 1940, Wvz.-Nr. 194 (ohne Abb., "Italienische Phantasielandschaft", "Besitzer unbekannt"); Auktions-Kat. Galerie Fischer, Luzern [Hrsg.]: "Sammlung Julius Freund. Aus dem Besitz von Frau Dr. G. Freund, Buenos Aires. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Druckgraphik ; Alt, Theodor, Boehle, Blechen (...)", 21. März 1942, Nr. 29, Abb. Tafel 6; Ausstellungs-Kat. "Deutsche Malerei. Ausgewählte Meister seit Caspar David Friedrich", Stiftung Volkswagenwerk. Wolfsburg 1956, 11; Ausstellungs-Kat. "Carl Blechen. Zwischen Romantik und Realismus", Nationalgalerie Berlin Berlin 1990, Nr. 19 mit Abb. S. 107 (bearb. von Helmut Börsch-Supan).
Zwischen dem Einlieferer und den rechtmäßigen Erben des Vorbesitzers Julius Freund (siehe Provenienz) konnte gemäß den Washingtoner Prinzipien von 1998 eine faire und gerechte Lösung für alle Beteiligten gefunden werden. Das Werk ist frei von allen Ansprüchen; der Lost Art-Eintrag (Lost Art-ID 581559) wird entsprechend korrigiert.
Provenienz: 1911 im Besitz oder Nachlass von A. Brendel; Sammlung Clara Freund (1878 - 1946) und Julius Freund (1869 - 1941), Berlin; Dr. Gisela Freund (Gisèle Freund, 1908 - 2000), Buenos Aires; 21.03.1942 Auktion bei der Galerie Fischer, Luzern, Nr. 29, Abb. Katalog Tafel 6; Erwin v. Kreibig, München; Neumeister, München (um 1967); Walter Bühler, Kunsthaus Bühler, Stuttgart (um 1967- 1974); Liselotte Bühler, Stuttgart; seit 1994 in deutscher Privatsammlung in Stuttgart.
Oil on canvas, relined. Signed and dated "C. Blechen 1827". Mentioned in the catalogue raisonné by Kern (1911) p. 166 and Rave no. 194. Exhibited 1956 in Wolfsburg and 1990 in Berlin.
About the sale
International Fine Art Auction Sale No. 197 – Part II
Auction location
Auction time
09/05/2026 at 10:00 AM
Pictures credits: Contact the Auction House
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