Premium Kunstauktionshaus Schloss Ahlden
1537
-
Carl Blechen (1798 Cottbus - 1840 Berlin) attr.
1537
-
Carl Blechen (1798 Cottbus - 1840 Berlin) attr.
Estimate €120,000 - €240,000
Voluntary lot
Description
Carl Blechen (1798 Cottbus - 1840 Berlin) attr.;
Prozession von Mönchen in italienischem Kloster
In dem nach seiner großen Italien-Reise (1828/29) entstandenen Werk, schildert Blechen wie an einem sonnigen Morgen eine Prozession von Franziskanern (bzw. Kapuzinern) in ein altes, schon baufälliges, romanisches Kloster zieht. Vorangehend ein junger Mönch als Kreuzträger, das große, schlichte Holzkreuz aufrecht vor sich haltend, assistiert von vier Ministranten, die das Kreuz zusätzlich mit Seilen sichern. Die Eingangshalle mit flacher Balkendecke schmückt über dem Eingang eine Nische mit einer barocken Mondsichelmadonna, die von den Mönchen durchschritten wird. Zum entscheidenden Ausdrucksträger des Gemäldes wird das Sonnenlicht, das von links durch zwei Bogenöffnungen in die Halle fällt, im Hintergrund geben diese den Blick auf eine angedeutete Berglandschaft frei. Das Licht lässt im Zusammenhang mit den flächig fließenden, rötlich braunen bis hell ockerfarbenen Farbtönen die Konturen zerfließen, was bei dem Betrachter den Eindruck einer südlichen, mediterranen Atmosphäre verstärkt. Im Gegensatz zum hier dargestellten Ort, hat Blechen die Szene allerdings mitnichten in ein italienisches Kloster komponiert, wie er uns glauben lassen will. Guiseppe Bonifazio hat 2015 in seiner Studie "Il pittore Carl Blechen a Subiaco e nella Valle dell’Aniene nel 1829" viele der realen Orte in den Zeichnungen und Gemälde Blechens lokalisiert, die er damals besucht und skizziert haben muss. Demnach fand die hier geschilderte traditionelle Prozession weder in einem Kloster noch in Subiaco (wie man annahm) statt, sondern in einem überdachten Durchgang der heutigen Via Guiseppe Verdi im kleinen pittoresken Bergdorf Cervara di Roma. Das Gemälde zeugt von Blechen als virtuosem Maler des Lichts, aber auch von seiner großen Imaginationskraft, die ihn mit dem Universalgenie Karl Friedrich Schinkel verband, den er selbst zutiefst beeindruckte. Schinkel lernte Blechen, der 1815 als Banklehrling nach Berlin kam, ganz offenbar früh kennen und schätzen. In einem leider undatierten und nur noch als Abschrift nachzuweisenden Brief (wohl von 1820) schreibt er über Blechen "Gestern war der junge Blechen wieder in meinem Atelier. Er bewunderte eine Dekoration, die ich für die hiesige Oper entworfen, und die ein venetianisches Patrizierhaus darstellte. Plötzlich griff Blechen nach einem Pinsel, tunkte ihn in meine teure Sepia und sagte, indem er nach einem Bogen Papier zu seinen Füßen griff: 'ich sehe jetzt Venedig vor mir. Wenn ich doch auch einmal dort sein könnte!' Und sogleich warf er ein Bild des großen Kanals mit der Salutenkirche auf das Blatt, dass mir bei der Arbeit beinahe graulich zumute wurde: so treffend bewältigte er ein Motiv, was er leibhaftig vor Augen sehen musste. Denn es konnte ihm aus Bildern diese völlig vom Üblichen entfernte Blickeinstellung nicht in Erinnerung sein, da sie m. W. kein Maler vor ihm gemalt hat." Nachdem Blechen 1822-1824 an der Akademie in Berlin studiert hatte, erhielt er auf Vermittlung Schinkels eine Anstellung als "Dekorationsmaler" des neuen Königstädtischen Theaters am Alexanderplatz in Berlin, im selben Jahr debütierte er mit einer Landschaft in der Ausstellung der Berliner Akademie. Bis 1827 wirkte Blechen am Theater, danach arbeitete er als freischaffender Maler in Berlin, wo er 1828 erste große Erfolge auf der Akademie-Ausstellung erzielte. Wie Blechen im vorliegenden Gemälde die Motive zusammenfügte und beim Betrachter hierin den Eindruck einer realen Prozession in einem Kloster erweckt, beruht sicherlich auf seiner früheren Tätigkeit als versierter Maler für das Theater. 1831 wurde Blechen auf Empfehlung Schinkels zum Professor für Landschaftsmalerei an der Berliner Akademie berufen - "seiner sehr genialen Art der Naturauffassung" wegen (Zit. Schinkel im Empfehlungschreiben). Nachdem Blechen seit 1835 psychisch erkrankte, starb er 1840 in geistiger Umnachtung. Mit seinen Werken beeindruckte Blechen auch Max Liebermann, der sagte: es sei ihm damit "das Einfachste und daher Schwerste" gelungen. Das Gemälde ist in einer weiteren, leicht kleineren Version bekannt, die sich in der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park/Schloss Branitz, Cottbus, befindet (Wvz. Rave 891). Diese Version weicht in einigen Details vom vorliegenden Werk ab - strittig in der Forschung ist, welche der beiden Gemälde die erste Fassung ist. Öl/Lwd.; Etikett der Ausstellung "Hundert Jahre Berliner Kunst" 1929 (siehe Lit.) mit Künstler-Bez., Titel "Ital. Prozession" u. Besitzerangabe Julius Freund sowie dessen Berliner Adresse 36 cm x 43 cm. Rahmen.
Julius Freund wohnte mit seiner Frau Clara bis 1931 in der Haberlandstr. 7 in Berlin-Schöneberg, 1931-1934 lebte er in Italien, 1933 ließ er die Kunstsammlung nach Winterthur in die Schweiz bringen. 1939 gelang die Emigration nach Großbritannien.
Lit./Vgl./Ausstellungen: Kat. "Hundert Jahre Berliner Kunst. Im Schaffen des Vereins Berliner Künstler", Berlin 1929, Nr. 120 ("Italienische Pozession"); Kunsthalle Bern, Mai/Juni 1940; P. O. Rave "Karl Blechen (...)", Berlin 1940, Wvz.-Nr. 1670 ("Italienische Prozession", "Privatbesitz, Schweiz"); Auktions-Kat. Galerie Fischer, Luzern, "Sammlung Julius Freund (...)", 21. März 1942, Nr. 28 ("Italienische Kapuzinerprozession in einem Kreuzgang").
Zwischen Einlieferer und den rechtmäßigen Erben (siehe Provenienz) konnte gemäß den Washingtoner Prinzipien von 1998 eine faire und gerechte Lösung für alle Beteiligten gefunden werden. Das Werk ist frei von allen Ansprüchen; der Lost Art-Eintrag (Lost Art-ID 581558) wird entsprechend korrigiert.
Provenienz: Sammlung Clara Freund (1878 - 1946) und Julius Freund (1869 - 1941), Berlin; Dr. Gisela Freund (Gisèle Freund, 1908 - 2000), Buenos Aires; 21.03.1942 Auktion bei der Galerie Fischer, Luzern, Nr. 28, Abb. Katalog Tafel 6; um 1970 Kunsthaus Bühler, Stuttgart.
Attributed to Carl Blechen (1798 - 1840). Oil on canvas. Mentioned in the catalogue raisonné by Rave no. 1670.
About the sale
International Fine Art Auction Sale No. 197 – Part II
Auction location
Auction time
09/05/2026 at 10:00 AM
Pictures credits: Contact the Auction House
You may also like