Premium Kunstauktionshaus Schloss Ahlden
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Eduard Hildebrandt (1818 Danzig - 1869 Berlin)
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Eduard Hildebrandt (1818 Danzig - 1869 Berlin)
Estimate €39,000 - €78,000
Voluntary lot
Description
Eduard Hildebrandt (1818 Danzig - 1869 Berlin)
Brasilianische Landschaft bei Rio de Janeiro
1846 malte Eduard Hildebrandt diesen Blick auf eine zerklüftete, tropische Flusslandschaft bzw. eine Bucht mit ruhigem Wasser, das Ufer mit Palmen gesäumt. Koloristisch überaus subtil nuanciert hat er die Lichtstimmung in diesem kürzlich wiederentdeckten, frühen Hauptwerk wiedergegeben. Es gehört zu den überaus seltenen, frühen Ölgemälden Hildebrandts mit Brasilien-Motiven. Die Landschaft wird im Vordergrund durch lebendig geschilderte Figuren belebt - in einem Ruderboot steht eine junge Afrobrasilianerin mit kleinem Kind auf dem Rücken, sich mit dem Paddel vom Ufer abstoßend, während der lässig auf dem Rücken liegende Mann raucht. Die genau studierten Einheimischen wirken hier mitnichten als genrehafte, gekünstelte Staffagefiguren, sondern durchaus lebensnah und authentisch beobachtet. Im Mittel- und Hintergrund sind zwei Segelboote und eine auf einem Bergrücken liegende alte Kloster- oder Festungsanlage der portugiesischen Kolonialzeit zu sehen. Nur wenige Jahre zuvor hatte Hildebrandt beim Marine- und Landschaftsmaler Wilhelm Krause in Berlin, danach 1841-1843 bei Eugène Isabey in Paris gelernt. Zurückgekehrt nach Berlin gewann Hildebrandt noch im selben Jahr die Anerkennung von Alexander von Humboldt, der für ihn zum Mentor und warmherzigen Freund wurde, ihn maßgeblich beeinflusste und protegierte. Humboldt erreichte bei König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, dass er Hildebrandt eine ausgedehnte Reise 1844/45 nach Brasilien und Nordamerika finanzierte. Intensiv studierte er in Brasilien die Landschaft, die Natur, das südliche Licht und das Leben der Afrobrasilianer. Die dort entstandenen Bilder fanden schon in Brasilien selbst große Beachtung und Würdigung - Kaiser Dom Pedro II. zeichnete ihn mit dem Orden der Rose aus. Über die Brasilien-Reise Hildebrandts und die Entstehung der Landschaften berichtete im September 1848 das "Kunstblatt" (Nr. 46, S. 83-84): "Aufgefordert durch den König von Preußen ging er im Jahre 1844 nach Brasilien, um dort ein glückliches Leben unter dem köstlichen Himmel des südlichen Amerika zu verleben. Die köstliche Beschreibung dieser Reise lesen wir in den schönen Skizzen - voll von glühendem Zauber (...), die das Berliner Kunstcabinet von Hildebrandt aufbewahrt. Sechs Mappen talentvoller Skizzen, theils in Oel, theils in Wasserfarben, gemalt unter den glühenden Strahlen der Sonne, die das Ineinanderschmelzten der schnell trocknenden Farbe nicht erlaubten, erscheinen die Skizzen von Rio, Bahia Pernambuco, wo der Künstler sieben Monate in fleißigen Studien verbrachte (...)". Aus dem reichen Bildmaterial dieser Reise, das Friedrich Wilhelm IV. für das Kupferstichkabinett erwarb, entstanden auch Ölgemälde, die der königliche Hof ankaufte. Gleich nach seiner Rückkehr zeigte Hildebrandt 1846 ein Ölgemälde mit einer Ansicht von Rio de Janeiro auf der Akademie-Ausstellung in Berlin, weitere folgten 1848 und 1850. Humboldt selbst rühmte Hildebrandt 1847 als einen der begabten Künstler der "physiognomischer Naturdarstellung" in dessen berühmten "Kosmos" (2. Kapitel). Er gehört für ihn zu denjenigen Malern, die "in den neuesten Zeiten in viel größerem Style und mit höherer Meisterschaft die amerikanische Tropenwelt" schildern. Auch die große öffentliche Würdigung von Hildebrandt blieb nicht aus: Mit 27 Jahren wurde er Königlich Preußischer Hofmaler, danach Professor und 1855 zum "ordentlichen Mitglied der Berliner Akademie" gewählt. Die Brasilien-Reise war nachhaltig prägend für sein weiteres Leben als bedeutender, rastlos reisender Landschaftsmaler; es folgten bis 1862 fünf weitere Reisen, die ihn teilweise um die ganze Welt führten. Nach dem Tod Hildebrandts setzte 1869 die deutsche Schriftstellerin und Historikerin Fanny Arndt (1827 - 1907) in ihrer Monographie "Eduard Hildebrandt. Der Maler des Kosmos. Sein Leben und seine Werke" dem Maler ein Denkmal. Sie verglich ihn direkt mit Alexander von Humboldt und ging besonders auf dessen Brasilien-Reise ein: "Was Humboldt begonnen, führte Hildebrandt weiter, wie jener durch das Wort der Menschheit ein treues Bild vom Himmel und Erdenraum vorgeführt, so gab es dieser durch die Farbe; Wissenschaft und Kunst reichten sich die Hand, jeder hat ein Weltgemälde geschaffen. Der Künstler wußte das große, freie Naturleben, wie die Poesie des Sonnenlichts auf die Leinwand zu zaubern (...) Sobald der Künstler in den Hafen von Rio de Janeiro einfuhr, lag die ganze Zauberpracht der Tropen vor ihm ausgebreitet. Das wunderbare Naturbild machte einen so bleibenden Eindruck auf ihn, dass noch nach Jahrzehnten (...) dieses Moments gedachte. Die sonderbaren, aber stets edlen und dichten Formen der bergigen Küste mit dichten Palmenwäldern bedeckt, einzelne, schlanke Palmen emporragend, dazwischen glatte, schwarze, steile Felswände als starre Spitzen und Kegel sich hoch in die Luft erstreckend, auf einem weiten, mehrere Terrassen bildenden Vorsprung die Stadt Rio de Janeiro, dahinter der Mastenwald der im Hafen liegenden Schiffe (...) so enthüllte sich die Scenerie der Tropen zuerst dem Auge Hildebrandt’s (...)". Die Brasilien-Ansichten Hildebrandts sind laut Fanny Arndt "ein ganzer Erdtheil in Bildern, - ein Weltgemälde voll Treue und Erhabenheit, die reine Wiedergabe der Eindrücke (...) Für Humboldt waren diese Skizzen von außerordentlichem Interesse. Von der künstlerischen Vollendung abgesehen, versprach er sich von diesen Bildern eine bedeutende Einwirkung auf die Naturforschung, da er bekanntlich die Landschaftsmalerei als Anregung zum Naturstudium ansah. Er betrachtete die Werke gleichsam als eine Ergänzung und Vervollkommnung seines eigenen Schaffens. Und in der That - wie Alexander von Humboldt,- so hat Eduard Hildebrandt die Kunst des Kosmos fixiert.". Öl/Lwd.; R. u. sign. u. dat. 1846. 42,5 cm x 66,5 cm. Rahmen.
Oil on canvas. Signed and dated 1846.
About the sale
International Fine Art Auction Sale No. 197 – Part II
Auction location
Auction time
09/05/2026 at 10:00 AM
Pictures credits: Contact the Auction House
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