Premium Kunstauktionshaus Schloss Ahlden
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Ernst Barlach (1870 Wedel i. Holstein - 1938 Güstrow)
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Ernst Barlach (1870 Wedel i. Holstein - 1938 Güstrow)
Estimate €50,000 - €100,000
Voluntary lot
Description
Ernst Barlach (1870 Wedel i. Holstein - 1938 Güstrow)
"Tanzende Alte" ("Tanzendes Weib"). Originaltitel
Bronze, dunkelbraun patiniert, 1920. Sign. "E. Barlach", Gießerstempel "H. NOACK BERLIN". Wvz. Laur II, 291; Schult I, 224. Aus einer Auflage von 12 unnummerierten Exemplaren stammt dieser posthume Guss von 1951-1960. Ob die vorgesehene Auflagenhöhe von 12 wirklich erreicht wurde, ist durchaus fraglich, da die Plastik von Schult nur in zwei Bronzegüssen nachgewiesen werden konnte (einer in Privatbesitz, darunter der vorliegende, den Schult im Wvz. mit Besitz von Prof. Harmsen, Hamburg aufführt). Hierfür spricht auch die extreme Seltenheit auf dem deutschen und internationalen Kunstmarkt. Die "Tanzende Alte", dessen Gipsmodell sich im Museum für bildende Künste in Leipzig befindet, schuf Barlach 1920 zunächst als Unikat in einer Version als Holzskulptur, die er 1926 bei Paul Cassirer in Berlin und als Mitglied der Neuen Secession im Glaspalast in München ausstellte. Über die Darstellung der Figur schreibt Schult, es handele sich um eine "Kulegraaksch", eine mecklenburgische Dorfalte, die an allen großen Hochzeiten ungeladen teilnahm und die Gäste mit Späßen und Tänzen unterhielt. Tanz und eine derartige Bewegtheit wie in der vorliegenden Figur, verbindet man weder mit Barlach noch mit einer "Alten". Denkt man an Barlach, so fallen einem zunächst die vielen Skulpturen des Bildhauers ein, die in Stil und Ausdruck eine blockhafte Strenge, Ruhe, Schwere und ernste Erhabenheit ausstrahlen. Dass Barlach auch gänzlich anders arbeiten konnte, zeigt er mit der "Tanzenden Alten". In der Tat gingen manche seiner Gestalten nicht vom Allgemeinen menschlichen Charakter aus, stattdessen regten ihn offenbar ganz bestimmte Einzelindividuen, die er selbst erlebte, dazu an, sie zum unmittelbaren Gegenstand eines plastischen Werkes werden zu lassen. Hierzu gehört die geradezu groteske Erscheinung der "Tanzenden Alten", die Barlach als eine "Kulegraaksch" kurz nach seiner Übersiedlung nach Güstrow in Mecklenburg (1914) in einem der umliegenden Dörfer gesehen haben muss. Auf einer annähernd rechteckigen Plinthe stehend, hält die Frau von hagerer, kantiger Statur mit ihren Händen zu beiden Seiten die Zipfel ihres Rocks empor, ihren linken Fuß zum ausgelassenen Tanz erhebend, den Körper nach hinten neigend und hierbei vergnügt lacht. Es widerspricht ihrem Alter, hat eine gewisse Tragik, da sie sich dem Spott der Mitmenschen aussetzt. Barlach schilderte die Tanzbewegung hierbei durchaus überzeugend, die Symmetrie und Lebendigkeit der scharf geschnittenen Formen steigern die Expressivität im Ausdruck. H. 48,8 cm; B. 27,7 cm; T. ca. 23 cm.
Vgl. Lit./Kat. "Sonderausstellung Holzbildwerke Ernst Barlach", Februar 1926, Galerie Paul Cassirer, Berlin, Nr. 20 (betitelt "Tanzendes Weib"); Kat. "I. Allgemeine Kunstausstellung" München, Glaspalast 1926, Nr. 2006 ("betitelt "Tanzende Alte". "Die Kunst für alle", 41. Jahrgang 1925/26, Heft 11, August 1926, Abb. S. 348 ("Tanzende Alte" in der Ausstellung im Glaspalast, München 1926); Carl Einstein: "Die Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts", Propyläen-Kunstgeschichte, Band 16, Berlin, 1926, Abb. S. 538 (Holzskulptur, betitelt "Tanzendes Weib"); Ernst Barlach "Ein selbsterzähltes Leben, Berlin, 1928, Nr. 40, Abb. Tafel XLV; Friedrich Schult: "Ernst Barlach. Das plastische Werk", Hamburg, 1960, Nr. 224; Carl Dietrich Carls: "Ernst Barlach", London 1969, Abb. S. 72; Auktions-Kat. Dr. Ernst Hauswedell & Co.: "Moderne Kunst", Hamburg, 8.-10.06.1972, Nr. 67, Abb. Tafel 21 (mit gleichem Gießerstempel wie vorliegendes Exemplar); Elisabeth Laur: "Ernst Barlach. Das plastische Werk", Güstrow 2006, Nr. 291.
Provenienz: Friedrich Schult (1889-1978), Freund, Nachlassbetreuer und Verfasser des ersten dreibändigen Werkverzeichnisses Barlachs; in den 1950er-Jahren vom Barlach-Sammler und Präsidenten der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg Prof. Hans Harmsen (1899-1989) direkt von Schult erworben; vom vorigen vor 1979 an seinen Sohn Hans-Christoph Harmsen, Berlin, übergeben, der sie 1984 an einen süddeutschen Privatsammler verkaufte; danach bis 2026 durch Erbfolge in Familienbesitz.
Dark brown patinated bronze, 1951. Signed. Foundry stamp "H. NOACK BERLIN". Cast in an unnumbered edition of 12, this posthumous cast was executed prior 1960.
About the sale
International Fine Art Auction Sale No. 197 – Part III
Auction location
Auction time
09/06/2026 at 10:00 AM
Pictures credits: Contact the Auction House
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