Premium Kunstauktionshaus Schloss Ahlden
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Georg Kolbe (1877 Waldheim - 1947 Berlin)
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Georg Kolbe (1877 Waldheim - 1947 Berlin)
Estimate €24,000 - €48,000
Voluntary lot
Description
Georg Kolbe (1877 Waldheim - 1947 Berlin)
Kleine Hockende (auch betitelt Hockende, Kleine Sitzende und Trauernde)
Bronze, dunkelbraun patiniert, 1923. Verso an der Plinthe mit Monogrammm "GK" sign. und mit Gießerstempel "H. NOACK BERLIN". Wvz-Nr. 23.010. Prachtvoller Guss mit ausgezeichneter Reliefwirkung der Oberflächen und tiefer, dunkler, harmonischer Patina. Eine Auflage bzw. die genaue Anzahl der Exemplare der "Kleinen Hockenden" ist nicht bekannt. Allerdings wurde die Plastik offenbar nur in wenigen Stücken gegossen und ist dementsprechend sehr selten. Das Gipsmodell befindet sich im Kolbe-Museum in Berlin (Inv.-Nr. Gi471); ein Bronze-Exemplar besitzt das Von der Heydt-Museum in Wuppertal (erworben 1942; Inv.-Nr. P 0132); seit 1995 wurden nur einige Exemplare im Kunsthandel auf Auktionen angeboten. Wohl einer von drei posthumen, vom Kolbe-Museum autorisierten Güssen. Kolbe, dem 1912 mit seiner später von der Nationalgalerie erworbenen "Tänzerin" in der Berliner Secession der künstlerische Durchbruch gelang, wurde 1919 als Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste aufgenommen und wirkte 1919-1921 als Präsident der Freien Secession Berlin. Sein gewandelter Stil wurde 1921 in einer großen Ausstellung in der Galerie Cassirer und 1922 durch die Monografie von Wilhelm Reinhold Valentiner vorgestellt. Der bedeutende Kunstkritiker Karl Scheffler schrieb 1922 in einem Artikel in der Zeitschrift "Kunst und Künstler": "Die revolutionäre Bewegtheit der Zeit, der sich nur wenige Künstler entziehen können, äußerst sich in der Kunst Kolbes als eine akute Hinneigung zur expressionistischen Formstilisierung (...) Es gibt neuere Arbeiten, mit denen der Künstler seine gewohnt sinnfällige Art der Modellierung verlässt, um die Formen mehr lehrhaft kubistisch zu zerlegen (...)". Die weibliche Aktfigur der "Kleinen Hockenden" gehört zu den bedeutendsten und ausdrucksvollsten Plastiken aus dieser expressionistischen Periode der Jahre 1920-1923, als er sich auch mit dem Kubismus auseinandersetzte. 1924 (oder vielleicht schon 1923 in der Galerie Lutz in Berlin?) zeigte Kolbe die "Kleine Hockende" in der Frühjahrsausstellung der Akademie der Künste, danach noch bis 1926 mehrfach in Gruppen- und Einzelausstellungen. Die "Kleine Hockende" zeigt mit ihren stilisierten Umrissen und scharfen Graten jene kubistischen Stilcharakteristika, die Kolbes Skulpturen aus den frühen 1920er-Jahren auszeichnen. Die spannungsreiche Komposition der Figur ist von Winkeln durchdrungen, die sich sowohl überschneiden als auch in rhythmische Parallelen wiederholen. Dementsprechend hat Kolbe auch die an allen Seiten dyamisch gebogte, rechteckige Plinthe gewählt. Dargestellt ist eine sitzende, ganz in sich gekehrte junge Frau mit angewinkelten Beinen, das linke Bein aufgestellt und zugleich den Fuß mit der linken Hand festhaltend. Ihren Oberkörper nach vorne neigend, stützt sich in kontemplativer oder vielmehr eher trauernder Geste den gesenkten Kopf mit einer Hand. Kolbe ist es gelungen, bei der "Kleinen Hockenden" durch eine komplexe Stellung des Körpers und der Glieder eine Gesamtheit der reduzierten Form und des Umrisses kraftvoll zu verdichten. Hiermit knüpfte Kolbe an die berühmten kauernden "Femme accroupie"-Skulpturen von Auguste Rodins (1880-1882) und Clamille Claudel (um 1884) an und steigerte den Ausdruck wesentlich im Vergleich zur ebenfalls 1923 entstandenen Bronzeplastik "Sinnende" (Wvz. W 23009), die deutlich mehr Ruhe ausstrahlt. Fünf Jahre später griff Kolbe 1928 die Haltung der "Kleinen Hockenden" als Variante in der um circa 10 cm größeren und deutlich weicher modellierten "Hockenden" auf (Wvz. W 28.002). War die "Kleine Hockende" noch ganz nach innen gerichtet und vermittelte in ihrer Versunkenheit eine tiefe, intensive Verletzlichkeit, erfährt die spätere Figur einen durchaus starken, selbstbewussten Ausdruck von Offenheit, indem der Kopf weit in den Nacken geworfen und der Blick steil in den Himmel gerichtet wird. H. 19 cm.
Lit./Ausstellungen in Auswahl: Kat. "Zweite Sommer-Ausstellung (August-September)", Kunsthandlung Galerie Lutz & Co., Berlin 1923, Nr. 254 ("Hockende"); Kat. "Frühjahrsausstellung", Akademie der Künste zu Berlin, Berlin 1924, S. 28, Nr. 319 ("Hockende); Kat. "Kolbe. Plastik. 500 Photos (Plastik und Zeichnungen. Aufnahmen im Kunstgeschichtlichen Archiv des Seminars), Marburg a. d. Lahn 1931 (2. Auflage 1938), S. 11, Lot 301-02 ("Kleine Sitzende"); Kurt Eugene von Meier: "Georg Kolbe (1877-1947)", Diss. Princeton University 1966, S. 313, Nr. 173; Hans Günter Wachtmann (Bearb.): Kat. "Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen", Von der Heydt-Museum Wuppert 1968, o. S. ("Trauernde"); Günter Aust: "Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal", Recklinghausen 1977, Abb. S. 218, Nr. 439 ("Trauernde"): Sabine Fehlemann (Hrsg.): Kat. "Von der Heydt-Museum Wuppertal. Skulpturensammlung", Wuppertal 2000, S. 168 (mit Abb.).
Dark brown patinated bronze, 1923. Signed with monogram "GK", foundry stamp "H. NOACK BERLIN".
About the sale
International Fine Art Auction Sale No. 197 – Part III
Auction location
Auction time
09/06/2026 at 10:00 AM
Pictures credits: Contact the Auction House
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