Premium Kunstauktionshaus Schloss Ahlden
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Renée Sintenis (1888 Glatz - 1965 Berlin)
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Renée Sintenis (1888 Glatz - 1965 Berlin)
Estimate €60,000 - €120,000
Voluntary lot
Description
Renée Sintenis (1888 Glatz - 1965 Berlin)
Großes kniendes Reh
Bronze mit Patina in graugrünen, nuancierten Tönen, 1930. Sign. "Sintenis" (ohne Punkte bei dem "i"); Gießerstempel "H NOACK BERLIN". Wvz. Ladwig 121, Buhlmann 187. Überaus seltene Gartenplastik, von der insgesamt nur zwei Güsse bekannt sind - außer dem hier vorliegenden, bei Buhlmann dokumentierten Exemplar, befindet sich nur ein weiteres in der Sammlung Knauf in Berlin. Sintenis nahm hierbei die Komposition der kleinen Bronze "Kniendes Reh" von 1915 wieder auf, vergrößerte diese und fügte eine Plinthe hinzu. Ihr "Kniendes Reh" gehörte zu den allersten Tierbronzen der Berliner Bildhauerin, die 1913/14 die Kunstwelt zunächst mit Tänzerinnen und weiblichen Akten betreten hatte: 1913 debütierte Sintenis in der "Herbst-Ausstellung Berlin 1913", die von denselben Künstlern veranstaltet wurde, die 1914 die "Freien Secession" in Berlin gründete und an deren ersten Ausstellung sie sich ebenfalls beteiligte (sowie deren folgende Ausstellungen beschickte). Mit der renommierten Kunstgießerei Noack in Berlin fand sie zugleich einen kompetenten Partner, um ihre bildhauerischen Ideen adäquat umzusetzen. Rasch erregte sie die Aufmerksamkeit der Kunstkritiker und deren Lob, auch nachdem Sintenis - der jede Monumentalität widerstrebte - 1915 mit ihren prägnanten, meist kleinformatigen Tierfiguren zu ihrem eigentlichen Hauptthema gefunden hatte. Ihren endgültigen Durchbruch feierte sie spätestens 1916, nachdem Moritz Heimann einen ersten Artikel über sie in der führenden Kunstzeitschrift "Deutsche Kunst und Dekoration" publiziert hatte. Dieser schrieb auch über das "Kniende Reh": "Stil und Form sind nicht das Letzte, wohin der Künstler vorzudringen hat; dahinter erst liegt das Wesen. Das Wesen, als welches jedem nach der Maßgabe seines Talentes zugänglich ist. Jeder Künstler wird erst dort zur tiefen Sättigung gelangen, wo Expression und Impression, Stil und Natur (...) ein- und dasselbe sind und sagen. Es ist eine Freude, wie Fräulein Sintenis auf diesem Wege ist. Betrachtet man das kleine, auf die Knie gefallene Reh, so sieht man, obgleich es unmittelbar nach einem Natureindruck gearbeitet ist, dass es doch in ein Quadrat, also eine vorgefasste Anschauung hineinkomponiert ist (...) Renée Sintenis hat Stil, und eben darum darf und muß sie die Natur selbst suchen; sie steht nicht in der Gefahr, sich an den Naturalismus zu verlieren" ("Deutsche Kunst u. Dekoration", Bd. 38, April-September 1916, S. 192-194, Abb. S. 196 "Kniendes Reh"). In der Weimarer Republik wurde Renée Sintenis nicht nur in Deutschland selbst, sondern auch international zur anerkannten bedeutenden Bildhauerin. Seit 1920 vertrat sie zudem Alfred Flechtheim als Galerist, neben Herwarth Walden und Paul Cassirer einer der wichtigsten Kunsthändler seiner Zeit. Ihre begehrten Schöpfungen von kleinformatigen Bronzen, jungen Tieren (insbesondere Fohlen), Darstellungen von Sportlern (Boxer, Fußballer, Läufer) und Porträtbüsten ihres Freundeskreises fanden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen wieder, sogar Ernest Hemingway besaß drei Sportlerbronzen von ihr. 1931 wurde sie als erste Bildhauerin (und zweite Frau nach Käthe Kollwitz) in die Berliner Akademie der Künste berufen (bevor die Nationalsozialisten 1934 ihren Austritt erzwangen). Zu ihren bekanntesten Schöpfungen zählen heute ihre Bronze-Figuren "Junger Bär" von 1932 bzw. später der "Berliner Bär" von 1956, die seit 1953 als Preise auf den Berliner Filmfestspielen (Berlinale) vergeben werden. 52 cm x 53 cm x 19,5 cm.
Lit./Ausstellungen: Kat. "Renée Sintenis Marie Laurencin Martel Schwichtenberg Alexandra Exter", Galerie Flechtheim Berlin, Dezember 1930, Nr. 7 ("Das knieende Reh"); "Schlesische Monatshefte", Jahrgang VIII, Nummer 1, Januar 1931, Abb. S. 4, "Aus der Ausstellung der Künstlerin in der Galerie Flechtheim (Berlin)"; Kat. "Europäische Plastik", Hagenbund , Neue Galerie, Wien, Februar-März 1931, S. 23, Nr. 238 ("Großes Reh"); Hanna Kiel "Renée Sintenis", Berlin 1935, Abb. S. 64 (2. Auflage Berlin 1956, Abb. S. 43); Kat. "Renée Sintenis. Das plastische Werk, Zeichnungen, Graphik", Haus am Waldsee, Berlin 1958, Nr. 44; Kat. "Renée Sintenis. Das plastische Werk", Georg Kolbe Museum, Berlin 2013/14, Kat.-Nr./Wvz.-Nr. 121 mit Abb. (Exemplar in der Sammlung Karl H. Knauf, Berlin).
Provenienz: Privatsammlung, Düsseldorf (laut Buhlmanm).
Patinated bronze, 1930. Signed, foundry stamp "H NOACK BERLIN".
About the sale
International Fine Art Auction Sale No. 197 – Part III
Auction location
Auction time
09/06/2026 at 10:00 AM
Pictures credits: Contact the Auction House
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