a painting of a silhouette of a person with a red background
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1722 - Serge Poliakoff (1900 Moskau - 1969 Paris)

Estimate €45,000 - €90,000
Description
Serge Poliakoff (1900 Moskau - 1969 Paris) Composition "Rouge et rose". Originaltitel 1959 entstandene, abstrakte Komposition aus drei unterschiedlichen im Kolorit tiefer werdenden, über- bzw. nebeneinander gestellten und teilw. ineinandergreifenden, in sich leicht changierenden Flächen von Rot bis Altrosa. Repräsentative Arbeit aus einer der bedeutendsten und begehrtesten Schaffensperioden des Künstlers, der heute durch seine abstrakten Bilder neben Nicolas de Stael als einer der wichtigsten Vertreter der "École des Paris" bzw. "Nouvelle École de Paris" gilt. Poliakoff kam 1923 nach einer abenteuerlichen Flucht vor der Russischen Revolution schließlich in Paris an, wo er verkündet haben soll: "Hier bin ich zu Hause". Er blieb bis auf kürzere Unterbrechungen zeitlebens dort und führte ein bewegtes Leben, bis er sich in den 1950er Jahren ganz der Malerei widmen konnte. Seinen Lebensunterhalt verdiente er hierbei bis 1951 im Wesentlichen als Musiker, u. a. als Gitarrist in Nachtklubs und russischen Kabaretts. Ursprünglich also mehr Musiker, wuchs allmählich seine Passion für die Kunst. 1929 schrieb er sich sowohl an der Académie Forchot als auch an der Académie de la Grande Chaumière ein, 1935 ging er nach London an die Slade School of Fine Art. 1931 hatte Poliakoff seine allererste Ausstellung in der Galerie Drouant, 1938 nahm er am Salon des Indépendants teil. Seit 1935 fand er sukzessive zur Abstraktion, Farbe und Fläche wurden alleiniges Ausdrucksmittel. Entscheidend beeinflusste ihn Wassily Kandinsky, den er in den Jahren 1937-1939 kennenlernte. Durch Sonja und Robert Delaunay, deren "jour fixe" er besuchte, entdeckte Poliakoff zugleich die gefühlsbezogenen Wirkungen von Farben und Simultankontrasten; Otto Freundlich inspirierte ihn durch seine gebogenen "Farbform-Kompositionen". Poliakoff fand um 1950 zu seinen individuellen, puzzleartigen Kompositionen aus aneinandergrenzenden, vibrierenden Farbflächen. Ihm ging es als unvergleichlichen Koloristen um die Harmonie der Farben und der asymmetrischen Flächen als ineinandergreifende, sowohl winkelige als auch geschwungene Farbblöcke. Er identifizierte sich weder mit der reinen Geometrie noch mit der lyrischen, gestischen oder informellen Abstraktion, die sich in der 2. Hälfte der 1940er Jahre zunehmend durchsetzte. Seine Werke zielen vor allem auf die musikalisch-rhythmische Schwingung von Materie, Formen und Farben an sich ab, ganz ohne Tiefenwirkung oder Perspektive. Nachdem Poliakoff endgültig seine eigene Bildsprache der Abstraktion gefunden hatte, ließ auch der große Durchbruch im befreiten Nachkriegs-Paris nicht lange auf sich warten: 1950 wurde seine Teilnahme an einer Ausstellung in der Galerie Denise René als "wichtigstes Ereignis der Saison" gerühmt, 1952 hatte er seine erste Einzelausstellung in New York. Ausstellungen wie die documenta I und II 1959/1964 in Kassel machten ihn weltweit bekannt, 1960 erhielt er in der Berner Kunsthalle eine große Einzelausstellung mit 137 Bildern, 1962 widmete man ihm sogar einen eigenen Saal auf der Biennale in Venedig. 1966 und 1968 würdigte man Poliakoffs Bedeutung in ersten Retrospektiven im Kunstmuseum St. Gallen und Maison de la Culture in Caen. Noch während der Vorbereitungen für eine Ausstellung im Musée d´Art Moderne de Paris (die 1970 posthum eröffnet wurde) starb Poliakoff jedoch im Oktober 1969. Poliakoff prägte in die 1950er und 1960er-Jahren maßgeblich die westliche Kunstszene, insbesondere in Europa und spielte eine wichtige Rolle in den Nachkriegsdebatten über Abstraktion. Nachdem die Bedeutung von Poliakoff nach dessen Tod im Gegensatz zur alles dominierenden amerikanischen Malerei des Abstrakten Expressionismus eines Jackson Pollock und der großformatigen Farbfeldmalerei von Mark Rothko wenig beachtet wurde, brachte 2013/14 die große Retrospektive "Serge Poliakoff. Le rêve des formes" im Musée d’Art moderne de la Ville de Paris eine Wiederentdeckung und Neubewertung von Poliakoff. Es liegt nahe, die beiden im Russischen Kaiserreich geborenen Künstler Mark Rothko (1903 - 1970) und Serge Poliakoff miteinander zu vergleichen. Neben Unterschieden gibt es Parallelen in ihrer Kunst und ihrem Werdegang. Beide hatte annähernd gleiche Lebensdaten und fanden im selben Jahr 1923 eine neue Heimat: Mark Rothko in New York und Poliakoff in Paris. Als Marcus Rothkowitz 1940 zu Mark Rothko wurde, entschied er sich eindeutig für eine Karriere als amerikanischer Maler; 1962 erhielt auch Poliakoff die französische Staatsbürgerschaft. Zwar differieren die Kompositionen und Formate ihrer Werke, doch gibt es wesentliche Gemeinsamkeiten in der Art und Weise, wie beide die Beziehung ihrer Kunst zum Kontemplativen und Spirituellen betrachteten. Die berühmten Werke Poliakoffs befinden sich u. a. in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York, der Tate Gallery in London und des Museum Gunzenhauser in Chemnitz Gouache/Papier. R. u. sign.; 63,5 cm x 48,5 cm. Rahmen. Das Werk wurde unter Nr. 859083 vom Archives Poliakoff dokumentiert und ist im Wvz. unter Nr. 59-201 aufgeführt. Lit.: Alexis Poliakoff: "Serge Poliakoff. Catalogue Raisonné, Volume III 1959-1962", hrsg. von Gérard Schneider, Edition Galerie Française, München 2011, Nr. 59-201, S. 138 mit Abb.; Beigefügt: Foto-Expertise von Alexis Poliakoff, Paris, 17. April 2010; außerdem frühere Foto-Expertise von A. Poliakoff (1988). Provenienz: Auktion Sotheby’s, London, 5. Dezember 1985; Galerie Orangerie Reinz, Köln; seit 1987 in Sammlung Carl-Josef Flamm, Düsseldorf (von der vorigen erworben), später in Erbfolge in norddeutscher Privatsammlung. Gouache on paper. 1959. Signed. Mentioned in the catalogue raisonné, volume III, no. 59-201. Accompanied by photo-certificate of authenticity issued by Alexis Poliakoff (artist’s son), Archives Serge Poliakoff, Paris 17th April 2010, no. 859083.
About the sale International Fine Art Auction Sale No. 197 – Part II
Auction location
Auction time 09/05/2026 at 10:00 AM
Pictures credits: Contact the Auction House
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