Premium Kunstauktionshaus Schloss Ahlden
2673
-
Ludwig Kasper (1893 Gurten - 1945 Braunau)
2673
-
Ludwig Kasper (1893 Gurten - 1945 Braunau)
Estimate €240,000 - €480,000
Voluntary lot
Description
Ludwig Kasper (1893 Gurten - 1945 Braunau)
"Emporschauende II" (auch betitelt "Aufschauende"). Originaltitel
Bronze, braun patiniert, 1936. Monogr. "K", Gießerstempel "GUSS BARTH RINTELN". Wvz Nr. 85. Posthumer Guss von 1989 aus einer Edition mit angestrebter Auflagenhöhe von 6 Exemplaren; das Wvz. nennt insgesamt 5 Exemplare, darunter 1 Guss vor dem Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz, 4 weitere in Privatbesitz. Es existieren überdies 3 Exemplare in Marmorzement: u. a. in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen/Neue Pinakothek in München (Inv-Nr. B 280). Kasper führte seine meist lebensgroßen Skulpturen zumeist in Marmorzement und Gips aus; zu Lebzeiten kam es nur zu wenigen Bronzen-Güssen, außer aus finanziellen Beweggründen dürfte entscheidend gewesen sein, dass er sie laut Werner Haftmann "seiner bildhauerischen Vorstellung nicht angemessen" fand. Die ganz im Sinne antiker Bildhauerkunst der griechischen Archaik straff gestaltete Statue der "Emporschauenden" ist frontal auf den Betrachter ausgerichtet. Dargestellt ist die Aktfigur einer jungen Frau, die auf einer kleinen, rechteckigen Plinthe steht und ihren linken Unterarm mit der Hand zum Schutz vor der Sonne über der Stirn hält. Kaum merklich ist eine Schrittstellung erkennbar, wie sie von griechischen Kouroi bekannt ist. Alles ist auf statuarische Ruhe und ausgewogene Harmonie angelegt, sowohl in der Pose als auch in den Proportionen. Ludwig Kasper gehört neben Hermann Blumenthal und Gerhard Marcks zur kleinen Riege in Deutschland tätiger Bildhauer, denen es gelang, auch in der restriktiven Zeit des Nationalsozialismus ihre eigenständige Bildsprache in der Bildhauerei weiterzuführen. Ihre Arbeiten orientierten sich an Maillol und an der griechischen Frühklassik, entsprachen somit nicht der offiziellen, heroisch-pathetischen Kunstdoktrin, boten hierdurch jedoch nur bedingt Angriffspunkte für eindeutige Kritik. Kasper hatte eine gründliche künstlerische Ausbildung absolviert und 1912-1925 an der Münchener Kunstakademie bei Hermann Hahn studiert. Als freischaffender Künstler in München schuf er zunächst vornehmlich Porträts und nur wenige Ganzfiguren. Während eines Paris-Aufenhaltes 1928/29 nahm er die aktuellen Kunstströmungen auf und befasste sich im Louvre mit der Kunst früher Hochkulturen Griechenlands. 1930-1933 lebte der mittellose Ludwig Kasper mit seiner Frau Ottilie in Schlesien auf deren elterlichem Landgut. In dieser Zeit vollzog sich ein entscheidender Stilwandel, er wandte sich verstärkt ganzfigurigen Arbeiten zu, seine männlichen und weiblichen Aktstatuen wurden zunehmend von einer reduzierten, summarischen Formensprache geprägt. 1933 ging Kasper nach Berlin, wo er in der Ateliergemeinschaft Klosterstraße unterkam. Dort arbeiteten unterschiedlichste Maler und Bildhauer nebeneinander. Außer solchen, die konform mit offiziellen NS-Kunstauffassung einhergingen, gab es auch diejenigen, die mit ihrem individuellen Kunstverständnis im Widersprich zu ihr standen: Ludwig Kasper, Hermann Blumenthal, Gerhard Marcks, Käthe Kollwitz, Werner Gilles und Werner Heldt. Zum Umfeld der Ateliergemeinschaft gehörte auch der junge Kunsthistoriker Werner Haftmann. Dieser versuchte die Formensprache von Bildhauern wie Kasper und Blumenthal zu verteidigen und veröffentlichte 1934 in der kurzlebigen Zeitschrift "Kunst der Nation" den Artikel "Grundsätzliches über neue Bildhauerei". Das Wesentliche für die Bildhauerei und seine "Strukturgesetze" sei das selbstverständliche "Statische", das sich in der Darstellung einfacher, frontaler Motive, des sicheren Stehens und Schreitens ausdrücke. Er postulierte die "unbedingte Aufstellung eines autonomen plastischen Bekenntnisses". Dies stand in Widerspruch zu der sich im Laufe der 1930er Jahre immer weiter verschärfenden NS-Kunstpolitik. Kasper hatte seit 1930 in der Akademie der Künste ausgestellt, auch 1935-1936 konnte er dort Arbeiten zeigen. Doch war Kasper wegen seiner bildhauerischen Sprache kaum für Staatsaufträge geeignet, stattdessen auf private Sammler und Stipendien angewiesen, die ihm zumindest zeitweise finanzielle Sicherheit boten. 1936 erhielt Kasper von der Berliner Akademie ein Griechenland-Stipendium, wo er seine Ende der 1920er Jahre im Pariser Louvre begonnenen Studien frühgriechischer Kunst vor Ort fortsetzen konnte. Diese nachhaltig prägenden Studienreise - die sich stilistisch auch in der "Emporschauenden" niederschlug -, folgte 1940 ein weiteres Stipendium der Akademie - der Rompreis mit einjährigem Aufenthalt in der Villa Massimo. In der modern orientierten Galerie Karl Buchholz hatte Kasper 1939 seine erste Einzelausstellung in Berlin, im selben Jahr erschien eine erste Monographie Haftmanns über Ludwig Kasper. Auch die beiden Kunsthistoriker Bruno Kroll und Herbert Gribitzsch veröffentlichten 1939 und 1943 mehrseitige, illustrierte Artikel über Ludwig Kasper in der "Kunst für alle". H. 168 cm.
Beigefügt: Echtheitszertifikat von Ottilie Kasper (Witwe des Künstlers) und Dr. Peter Wolf, Förderverein Ludwig und Ottilie Kasper e. V., Gauting bei München, 15.03.2015.
Lit./Vgl.: Herbert Gribitzsch: "Der Bildhauer Ludwig Kasper, Berlin", in "Die Kunst für alle", 58. Jahrgang 1942/43, Heft 5/6, Februar/März 1943, S. 104-111, Abb. S. 106.
Das Werkverzeichnis online verfügbar unter www.ludwig-kasper.de, die "Emporschauende II" und www.ludwig-kasper.de/werksverzeichnis-61-90.html.
/P/Provenienz: Erworben 2005 von Ottilie Kasper, stand zuvor im Garten der Galerie Pels Leusden/Villa Grisebach in Berlin; seitdem in süddeutscher Privatsammlung.
Brown patinated bronze, 1936. Posthumous cast 1989, from an amplete edition of 6 (in the catalogue raisonné 5 casts are mentioned). Accompanied by a certificate of authenticity from Ottilie Kasper (artists's widow) and Dr. Peter Wolf, Förderverein Ludwig und Ottilie Kasper e. V., Gauting near Munich, 15th March 2005. Acquired by Ottilie Kasper in 2005, since then in a private collection in Southern Germany.
About the sale
International Fine Art Auction Sale No. 197 – Part III
Auction location
Auction time
09/06/2026 at 10:00 AM
Pictures credits: Contact the Auction House
You may also like